Entscheidendes Bewegen für Diabetes und Radsport

Herzlich Willkommen auf der Vereinsseite des Radsportvereins Entscheidendes Bewegen e.V. Wir sind ein Radsportverein mit diabetischen Typ I, II und Nichtdiabetikern. Du findest auf den folgenden Seiten Informationen über den Verein, die Fahrer, das Training, Radveranstaltungen, Diabetes und viele Artikel – BLOGS mit Erfahrungsberichten über Radsport und Diabetes, die du kommentieren kannst.

Kategorie-Archiv: Reportagen

Bodenseeradmarathon, Alternative zur Vätternrundan?

Die Vätternrundan (Vätternsee Rundfahrt) ist mit ihren 300 schwedischen Kilometern eine wunderbare Veranstaltung. Deshalb sind die 22.000 Starplätze auch so schnell ausverkauft. (siehe 1.Oktober 2012: bis mittags waren alle Plätze ausverkauft)

Aber wie meine Frau sagt: „andere Mütter haben auch schöne Töchter“. Soll heissen: es gibt auch andere schöne Radmarathons. Ganz im Süden Deutschlands gibt es eine Seeumrundung, die der Vätternrundan an Kilometern und Höhenmetern nahe kommt:

Der Schweizer Bodensee Radmarathon.

Der findet Anfang September statt, geht durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Eben rund um den See.

Wir haben die Runde im September 2012 getestet:

Die Online-Anmeldung für Geli und mich funktioniert problemlos, die Kosten sind mit 34 Euro Startgeld vergleichsweise niedrig und wir können von Hamburg bequem mit der Bahn anreisen.

Es gibt verschiedene Start- und Zielorte rund um den See, so dass das große Gedränge am Start und auf der Strecke ausbleibt. Wir entscheiden uns für einen Start in Friedrichshafen, weil hier die Bahnanbindung am besten ist.

Am Abend vor dem Start holen wir die Unterlagen ab. Eine Startnummer für den Rücken gibt es nicht. Das erweist sich als Mangel, weil die Autos (der Bodensee Radmarathon ist eine RTF) die Teilnehmer nicht als Teilnehmer einer Sportveranstaltung wahrnehmen, sondern als Fremdkörper auf der Landstraße und entsprechend genervt reagieren.

Der Start ist unspektakulärer als bei Hamburger RTF’s. Wir kommen pünktlich an und werden sofort auf die Strecke durch gewunken. Einfach so los, und tschüß!

Wir schließen uns einer Kölner Gruppe an, die sich gar nicht erst die Mühe macht zum Start zu fahren, sondern die gleich von ihrem Hotel aus losradeln.

Die Strecke führt zuerst nicht am See entlang sondern durch hübsche, wellige Straßen im Inland.

Da der See im Uhrzeigersinn umrundet wird, befinden wir uns nach einiger Zeit in Österreich. Ab Bregenz geht es am See entlang. In Österreich und in der Schweiz führt die Strecke teilweise über den Bodenseeradwanderweg, meistens aber wird auf der Straße gefahren.

Die Verpflegungsstellen liegen manchmal weit auseinander, teilweise über 50 Kilometer. Hier herrscht ein von RTF’s bekanntes treiben. Die Stimmung ist gut, die angebotene Verpflegung leicht landestypisch.                      

In der Schweiz wird z.B. Rivella, Hügli und Bärli-Biber angeboten.

Der Österreichische und der Schweizer Teil der Strecke sind fast vollständig flach. (erstaunlich, oder?) Kaum haben wir wieder deutschen Asphalt unter den Rädern, geht es nur noch bergauf und bergab.

Nach einigen Schleifen und einigen Höhenmetern setzen alle Teilnehmer von Konstanz nach Meersburg per Fähre über. Richtig gelesen, eine RTF mit Fährfahrt über den Bodensee…

          

Kaum in Meersburg angekommen gibt es eine knackige Überraschung: Ein Schild an der Straße mahnt die RTF Teilnehmer zum runterschalten. Eine Sekunde danach geht es mit fast 18% Steigung den Hang hoch. Zum Glück kein langer Anstieg, denn mittlerweile stecken uns 190 Km in den Beinen.

Oben angekommen finden wir den letzten Kontrollpunkt. Die letzten 30 Kilometer bis ins Ziel sind etwas nervig, weil wir eine Markierung übersehen und deshalb die Strecke verloren haben. Aber der Zielpunkt in Ailingen ist auch ohne Markierungen leicht zu finden.

Nach 11 Stunden beenden wir die Seeumrundung.

Fazit: der Bodenseeradmarathon ist mit 220km um einiges kürzer als die Vätternrundan, hat ähnliche Höhenmeter, kostet aber deutlich mehr Mühe!

Aber schon alleine wegen der Superaussicht auf die Schweizer Berge lohnt sich dieser Marathon.

Pitt

Großglockner – Top of Austria

Am Morgen des 25.09.2011 machte ich mich bei frischen 4°C von Bruck (a. d. Glocknerstraße) auf den Weg zum Gipfel.

Schon Wochen vorher habe ich immer die Webcam im Auge gehabt und wenige Tage zuvor schien mein Vorhaben – mit dem Rennrad und dem Typ I über die Großglockner-Hochalpenstraße zu fahren – zu platzen: “Frühester Wintereinbruch seit 100 Jahren in den Alpen” meldeten die Wetterfrösche. Oh je, dachte ich und als vier Tage vor dem großen Tag die Straße gesperrt wurde hakte ich gedanklich die Fahrt ab.

Die Webcam immer im Blick mit dem Funken Hoffnung auf Sonne statt Nebel und Schnee gab es einen Tag später tatsächlich Entwarnung und die Öffnung der Straße für den Verkehr.

Bis zur Mautstelle in Ferleiten waren es ca. 15 km so dass ich gegen 7:30 Uhr ohne wirkliches Frühstück (das Hotel servierte erst ab genau dieser Uhrzeit) startete. Bis 9:00 Uhr Startzeit in Ferleiten war eine Zeitmessung für Radfahrer möglich. Diese wollte ich natürlich unbedingt mitnehmen. Meine Frau fuhr das Begleitfahrzeug und erwartete mich um kurz vor 9:00 Uhr in Ferleiten. Dort hatte Sie bereits die Bedingungen für die Zeitmessung gecheckt – alles ganz einfach: 2 EUR rein in den Automat – Ticket raus – Ticket am Ziel (Fuscher Törl) in einen weiteren Automaten – Zielticket entnehmen – zurück nach Ferleiten – Urkunde ausdrucken.

Gecheckt – getan. Los ging es. Nun galt es 1.283 Höhenmeter auf 12,9 km verteilt in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen. Mein Plan in Hamburg war folgender: Mit Puls 140 bis zur Mautstelle und dann mit 160 die Strecke der Zeitmessung. Am Start in Bruck jedoch lag mein Puls vor lauter Aufregung bereits bei 153 Schlägen pro Minute, so dass ich Mühe hatte am Berg nicht zu overpacen (cooles Wort).

Während der Steigung überholte ich einige MTB-Fahrer, die mit negativer Übersetzung so schnell treten mussten um nicht wieder zurück zu rollen. Das machte mir Mut und spornte mich an auch den nächsten MTBler vor mir einzuholen. Dann kam der “Rückschlag”: Ich wurde von einem Rennradler überholt. Sein Tempo konnte ich nur wenige Meter halten und so ließ ich ihn bei Puls 180 dann fahren. Ich wollte ja sicher sein, oben anzukommen und nicht unterwegs abbrechen zu müssen.

Die Sonne kam hervor und ich wechselte von Lang- auf Kurzfingerhandschuhe – zog ein Langarmtrikot unter meiner Jacke aus.

Es ging immer weiter rauf – 10-11% Steigung – keine 8, keine 15% sondern immer “nur” 10-11%. Für mich Flachlandtiroler aus Hamburg eine echte Herausforderung. Hierbei galt es auch den Diabetes im Auge zu behalten. Ich hatte den Eindruck, dass es ein Unterschied macht, den Puls auf gerader Strecke gegenüber der ungewohnten Steigung. Bei Hälfte der Strecke machte ich eine Messung und hatte 108 zu melden. Etwas zu wenig, da ich kurz zuvor ca. 4 BE Traubenzucker geschluckt hatte. Komfortabel, dass meine Frau im Begleitfahrzeug immer in Reichweite war. Also: Weiter fleißig Traubenzucker einwerfen… und weiterfahren.

Es kamen nun die letzten Kilometer oberhalb der Baumgrenze und rechts und links türmte sich bereits der von der Straße geschobene Schnee – ein fantastisches Panorama bäumte sich vor mir auf. Der Adrenalinspiegel stieg, Die Kräfte ließen nach. Zu Beginn des letzten Kilometers machte ich nochmal einen kurzen Stopp um den Puls einzufangen. Dann die letzten Meter und – angekommen im Ziel auf 2.438 müNN.

Ich war endlos glücklich, die Strecke bewältigt zu haben – bei Traumwetter – Riesenpanorama und – mit meiner Frau im Begleitfahrzeug!!!

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