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Im Frühling hatte ich wohl Langeweile. Ich saß mit Freunden im Garten und blätterte in meinem Schulatlas von 1971. Auf der Suche nach einer Gegend in Europa in der man beim Radfahren wahrscheinlich Abenteuer erleben wird. Auf der Balkanseite mit Rumänien, Bulgarien, Albanien usw. blieb ich hängen. Berge, weite Ebenen, vom Massentourismus weitgehend unbeachtete Regionen. Balkan, eine Gegend von der man im Allgemeinen nicht viel Gutes hört. Ende September saß ich im Flugzeug nach Bukarest. Im Gepäckraum mein Fahrrad mit zwei Packtaschen. Mein Plan war, etwa 1500Km durch Rumänien, Bulgarien und die Türkei zu radeln.
In Bukarest schien die Sonne. Die Rumänen waren freundlich, die Autofahrer rücksichtsvoll. Ich radelte bis zum Dunkelwerden durch die City, suchte mir dann ein einfaches Hotel. Einfach bedeutet in dieser Gegend der Welt. wirklich einfach. In den nächsten Tagen radelte ich in Richtung Süden, überquerte die Donau, die hier schon mindestens so breit ist wie die Unterelbe.
In Rumänien dachte ich, es gäbe dort viele Hunde. Das wurde allerdings durch die Hundemengen in Bulgarien noch getoppt. Mit der Zeit hatte ich den Bogen raus, wie man den Tieren stressfrei begegnet: Wenn sie einen gesehen haben und es geht bergab: Vollgas! Falls es bergauf geht, oder die Beine lahm sind, oder es kurvig und unübersichtlich ist: absteigen und schieben. Dabei irgend etwas in der Hand halten, das den Hunden bedrohlich vorkommt. Sie knurren zwar und fletschen die Zähne, aber sie tun einem nichts. Und irgendwann wird den Hunden die Knurrerei und Zähnefletscherei langweilig und sie trotten davon. Sobald man sich aber wieder aufs Rad schwingt ist ihr Interesse und Jagdtrieb von neuem geweckt. Und das heißt für den Radler: Vollgas!
Nach ein paar hundert Kilometern durch Bulgarische Berge hatte ich die Schinderei satt und fuhr durch die Prärie. Da die Landwirtschaft zu großen Teilen brach liegt, versteppt das fruchtbare Land. Wo früher Kolchosen riesige Äcker bewirtschafteten, wächst heute hohes Gras. Die Straßen verlaufen größtenteils geradeaus. Links und rechts ist außer vertrocknetem Gras, verrosteten Landmaschinen und halbverfallenen Dörfern wenig zu sehen.
Ich fuhr Richtung Osten, bis ans schwarze Meer. Hier, nahe der Grenze zur Türkei gibt es allerliebste kleine Fischerdörfer, wo ich gerne ein paar Tage geblieben wäre. Aber einmal on the Road, zog es mich weiter. Weiter in Richtung Türkei. Die Einreise in die Türkei war ein Erlebnis. Während sich in Bulgarien die schmale Straße in Serpentinen durch die Berge schlängelt und nur aus Schlaglöchern besteht, wird sie auf türkischer Seite breit, glatt und flach. Und geht gefühlt nur noch bergab.
Überhaupt zeigt sich die Türkei von einer sehr freundlichen Seite. Das habe ich vor ein paar Jahren schon gaanz anders erlebt. Aber auf dieser Reise war alles schön in der Türkei: lachende Menschen, saubere gute Straßen, tolles Essen, saubere günstige Hotels. Das Wetter nervte allerdings. An einigen Tagen fuhr ich morgens im Regen los und kam nachmittags im Regen an. Aber als Hamburger bin ja ich Wetterkummer gewohnt.
Nach einer Rundfahrt ums Marmarameer erreichte ich nach ca.1500 Km kurz vor meinem Geburtstag Istanbul. Dort traf ich mich mit meiner Frau, mit der ich ein paar verregnete, aber schöne Tage in der 15 Millionen Stadt zwischen Europa und Asien verbrachte.
Pitt