Die Einen wollen endlich wieder mit dem Radfahren beginnen oder fangen gerade erst an es für sich zu entdecken, die Anderen möchten ihre Leistung steigern und in der kommenden Saison ihre persönlichen Bestmarken angreifen. Egal zu welcher Gruppe man zählt, der Start in ein neues Sportlerjahr bietet stets eine gute Möglichkeit, sowohl für eine gesundheitliche, als auch leistungsdiagnostische Standortbestimmung.
Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung
Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) empfiehlt Personen, die neu mit dem Sport beginnen oder nach längerer Pause wieder einsteigen eine sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung. Als Basisuntersuchung werden hier vor allem die Anamnese, Sportanamnese und häufig ein Ruhe-EKG empfohlen (1).
Weitergehende Untersuchungen wie z.B. eine Lungenfunktionsdiagnostik oder Blutuntersuchungen können diese Untersuchung ergänzen, werden in der Regel jedoch nur bei speziellen Fragestellungen und klinischen Befunden durchgeführt. Dabei gelten diese Empfehlungen sowohl für Hobby- und Breitensportler, als auch für ambitionierte Freizeitsportler bis hin zu den Leistungssportlern. Vor allem bei sportlichem Neuanfang oder Wiedereinsteigern konnte in groß angelegten Studien gezeigt werden, dass eine Vorsorgeuntersuchung zu einer deutlichen Senkung von schwerwiegenden kardialen Problemen führte (2).
Für Menschen mit einem Diabetes mellitus wird darüber hinaus eine Belastungsuntersuchung empfohlen, da sie häufig an Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzproblemen leiden und eine gefahrlose körperliche Belastbarkeit auf jeden Fall ärztlich abgeklärt werden sollte. Ebenfalls besteht häufig Beratungsbedarf bei der Anpassung von Insulin- oder Tablettendosis im Zusammenhang mit körperlichen Belastungen.
Bei individuellen Fragen gibt es die Möglichkeit sich an die Abteilung Sportdiabetologie des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg zu wenden.
Individuelle Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung
Ob Hobby-Radler oder ambitionierter Freizeitsportler, so unterschiedlich die Ziele der einzelnen Sportler sind, so individuell sind auch die Voraussetzungen, mit denen die sportlichen Herausforderungen in Angriff genommen werden. Um seine Ziele optimal erreichen zu können, und möglichen Überlastungen entgegen zu wirken, empfiehlt sich die Durchführung einer Leistungsdiagnostik. Dabei stellt die Spiroergometrie (Atemgasanalyse), häufig in Verbindung mit einem Blut-Laktattest, seit vielen Jahren den Goldstandard zur Ermittlung der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit dar. Dabei werden während einer standardisierten und stetig ansteigenden Belastung, kontinuierlich Atemgas-Parameter (O2, CO2), Blutlaktatwerte und Herzfrequenzwerte gemessen und anschließend zur Bestimmung individueller Schwellen analysiert. Aus diesen lassen sich dann gezielt Trainingsbereiche ermitteln, die dann z.B. über die Herzfrequenz im Training kontrolliert werden können.
Generell sollte die Ausdauerdiagnostik sich dabei immer an der Zielsportart orientieren und sportartspezifisch durchgeführt werden, um die Ergebnisse bestmöglich für die Trainings- und Wettkampfsteuerung nutzen zu können. Es macht wenig Sinn, einen Radfahrer auf dem Laufband zu testen, da die Ergebnisse sich nur sehr schlecht in die Praxis übertragen lassen. Idealerweise findet die Leistungsdiagnostik mit einem auf die Bedürfnisse von Radsportlern angepassten Ergometer mit entsprechendem Testprotokoll statt. Moderne Hochleistungsergometer ermöglichen hierbei dem Straßenrennrad ähnelnde Sitzpositionen und hohe Trittwiderstände.

Anja Renfordt, Weltmeisterin im Kickboxen, aktives Entscheidendes Bewegen Mitglied, beim Leistungstest
Die Ergebnisse der Leistungsdiagnostik liefern für den Radsportler dann wertvolle Ergebnisse bezüglich seines aktuellen Fitness- bzw. Ausdauertrainingszustandes. Darüber hinaus liefert sie Einsichten in seinen Energiestoffwechsel und ermöglicht die Ermittlung geeigneter Trainingsbelastungen. Diese stellen dann eine wichtige Steuergröße zur Vermeidung von Überlastungen dar und können gezielt zur Erreichung von Trainings- und Wettkampfzielen eingesetzt werden. Gesteuert wird das Training dabei üblicherweise über Herzfrequenzen und für den aktiven Radfahrer genügt dann ein einfacher Herzfrequenzmesser zur Belastungssteuerung. Gibt es zusätzlich noch die Möglichkeit die Herzfrequenz zu speichern, kann man das Training im Nachhinein analysieren und entsprechende Anpassungen vornehmen.
Was für den Trainingsaufbau von Sportlern grundsätzlich wichtig ist, ist für Sportler mit Diabetes besonders wichtig, denn zusätzlich besteht hier immer die Gefahr, dass sie von Unterzuckerungen während oder nach der Belastung überrascht werden. Dass der Blutzucker gelegentlich wie eine Achterbahn rauf- und runterrauscht, haben die meisten Diabetiker auch schon am eigenen Körper erlebt. Da sich der Stoffwechsel kaum realistisch und nur sehr grob über allgemeine Formeln steuern lässt, ist eine individuelle Leistungsdiagnostik und kontrollierte, herzfrequenzbasierte Belastungssteuerung für Sportler mit Diabetes mellitus (v.a. Typ I Diabetiker) dringend zu empfehlen.
Für eher leistungsorientierte Radfahrer empfiehlt es sich, neben einer spiroergometrischen Belastungsuntersuchung, den Blutzuckerverlauf über mehrere Tage aufzuzeichnen. Dies geschieht, durch sogenannte kontinuierliche Glukose-Messsysteme (CGMS), die in der Lage sind, die Glukosekonzentration im Unterhautfettgewebe für fünf bis sechs Tage kontinuierlich zu messen und zu speichern. Dadurch ergeben sich vielfältige Möglichkeiten für die individuelle Wettkampftaktik. Darüber hinaus ist es für Sportler, die immer wieder Schwierigkeiten mit Unterzuckerungen bei Belastungen haben, eine enorme Hilfe zu wissen, wie sich der Glukoseverlauf vor und nach dem Sport verhält.
Neben einer Leistungsdiagnostik spielt eine gute Trainings- und Wettkampfplanung eine entscheidende Rolle zur Aufrechterhaltung der Motivation und der Durchführung eines möglichst effektiven Trainings. Dabei entscheidet neben der aktuellen Ausdauerleistungsfähigkeit, hier vor allem das angestrebte Ziel über Umfang und Intensität der einzelnen Trainingseinheiten. Grundsätzlich ist es wichtig, in der Trainingsgestaltung einen geplanten, längerfristigen Prozess zu sehen, der im zeitlichen Verlauf verändert und angepasst werden muss. Ob es nun das Ziel ist, Anfang April mit Touren um die 70 Kilometer die Radsaison einzuleiten oder die persönliche Bestzeit bei den Cyclassics zu fahren – bewährte Prinzipien der Trainingslehre helfen dabei eine individuelle Trainingsplanung zu gestalten.
Obwohl es kaum möglich ist, allgemeingültige Regeln für die zeitliche Abfolge von Trainingsbelastungen aufzustellen, lässt sich das Training in eine gewisse planmäßige Struktur bringen, welche oft als Periodisierung bezeichnet wird. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Zeitspannen. Beginnend vom Makrozyklus (1/2 – 1 Jahr) über den Mesozyklus (4-12 Wochen) hin zum Mikrozyklus (1 Woche) werden hier nun die verschiedenen Trainingsziele in einzelnen Etappen Schritt für Schritt aufeinander aufgebaut. Man kann z.B. mit dem Aufbau der Grundlagenausdauer in der allgemeinen Vorbereitungsperiode beginnen und in einem anschließendem Trainingszyklus in die spezielle Vorbereitungsperiode übergehen, in der bereits wesentlich näher am späteren Leistungsziel Trainiert wird (z.B. längere Trainingseinheiten, Temposteigerung, etc.) (3).
Für sämtliche Zyklen kann man dabei auf allgemeingültige Grundsätze der Trainingslehre zurückgreifen, von denen einige der elementarsten lauten: Prinzip der Kontinuität, Prinzip von Belastung und Regeneration, Prinzip der progressiven Steigerung und Prinzip der Variation. Um einen möglichst guten Überblick über seinen Trainingsstand zu erhalten, empfiehlt es sich, dass Training möglichst kontinuierlich zu dokumentieren. Dadurch können rechtzeitig Abweichungen von den jeweiligen Zielvorgaben frühzeitig erkannt und gegebenenfalls entsprechende Korrekturmaßnahmen vorgenommen werden (4).
Für weitere Informationen über Dienstleistungen zur Trainingsplanung und Trainingssteuerung kann man sich ebenfalls an die Abteilung Sportdiabetologie des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg wenden.
Ausgleichstraining für den Radfahrer
Ob man die Wintermonate radfrei im Fitness-Studie verbringt, oder sich, sobald es die Wetterverhältnisse erlauben, wieder auf die Straße begibt ist sicherlich individuell unterschiedlich und größtenteils auch Geschmacksache.
Sobald die neue Saison dann jedoch Anfang April eingeläutet wird, trainieren viele Sportler ausschließlich auf und mit dem Rad. Sie unterliegen dabei sportartbedingt einseitigen Belastungen, da stets die gleichen Muskelgruppen beansprucht werden. Beim Radfahrer sind dies vor allem die Muskeln der Hüft- und Kniebeuger, sowie die Brustmuskulatur, die durch eine ständige Beanspruchung häufig verkürzen. Im Gegensatz dazu neigen die Rückenmuskeln, Schulterblattmuskeln, sowie Bauch- und Gesäßmuskeln mangels Beanspruchung zur Abschwächung. Darüber hinaus konnte in Untersuchungen gezeigt werden, dass je sportlicher die Sitzposition gewählt wird, desto höher fällt die Anspannung der Muskulatur der Halswirbelsäule aus.
Langfristig kann dies zu Beschwerden am Bewegungsapparat bis hin zu ernsthaften orthopädischen Krankheitsbildern führen. Bevor es jedoch so weit kommt, empfiehlt es sich regelmäßig Alternativsportarten wie Schwimmen, Inline-Skaten oder Ausgleichsgymnastik zu betreiben. Der Schwerpunkt sollte dabei auf einer Kräftigung und Mobilisierung der gesamten Rumpfmuskulatur liegen. Selbst auf dem Rad kann es sinnvoll sein, die Sitzposition ab und zu variieren. Besonders eine stark gestreckte Sitzposition führt zu einer ausgeprägten Überdehnung der Rückenstrecker und damit gleichzeitig zu einer noch stärkeren Schwächung der Bauchmuskulatur.
Für ein Ausgleichstraining bieten sich natürlich vor allem die Wintermonate an, jedoch ist auch währende der ganzen Saison ein Alternativtraining sinnvoll. Sollten bereits Beschwerden am Bewegungsapparat bestehen (Rücken- oder Nackenschmerzen, Knieschmerzen, etc.) ist es dringend geraten sich ärztlich untersuchen zu lassen.
Weitere Informationen und ein Angebot für Entscheidende Beweger:
Wir haben ein Angebot für alle, die mit uns regelmäßig fahren:
Leistungsdiagnostik:
Eine Leistungsdiagnostik kostet im Institut normalerweise 180 €. Darauf erhalten alle FahrerInnen einen Rabatt von 20% und zahlen nur 154 €.
CGMS:
Paket 1 – Standard: medtronic i-pro, Sensor Anlegen, Einweisung, Protokollpflege, Datei auslesen, Datenblatt für 72,30 € ( normal = 104,00 € ) Preisnachlass von mehr als 30%
Paket 2- Professional: wie Paket 1; zusätzlich ärztliche Auswertung und Bericht für 114,86 Euro ( normal = 174,54 €) Preisnachlass von mehr als 35%
Hier gibt es auch Informationen über Art und Umfang der Untersuchungen. Für weitere Informationen zur Leistungsdiagnostik und Trainingssteuerung:
www.xing.de/kaiwellmann
[Quellen]
1. Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. S 1- Leitlinie Vorsorgeuntersuchung im Sport. 2007 [cited 2012 Feb 20];Available from: http://www.dgsp.de/_downloads/allgemein/S1_Leitlinie.pdf
2. Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Voruntersuchungen bei sportlichem Neuanfang. [cited 2012 Feb 20];Available from: http://www.dgsp.de/_downloads/allgemein/2012-02-09.pdf
3. Weineck J. Optimales Training. Spitta; Auflage: 16. Auflage.; 2009
4. Braumann K-M, Stiller N. Bewegungstherapie bei internistischen Erkrankungen. Springer; 2009

Kai Wellmann