Entscheidendes Bewegen für Diabetes und Radsport

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Es wird selten über 35° und es regnet jeden Tag…

(meine Tochter Jana auf die Frage wie es in Malaysia ist)

Es ist heiß. Mächtig heiß. Und so schwül, dass das Atmen schwer fällt. Heute Morgen bin ich in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, zu einer vierwöchigen Radreise aufgebrochen.

Die Tour wird mich zunächst quer durch Malaysia bis an die Ostküste, dann zurück an die Westküste führen. Dann weiter mit der Fähre nach Thailand und durchs thailändische Inland bis auf die Halbinsel Phuket, von wo aus ich zurück nach Hamburg fliegen werde.

Nachdem ich drei Tage meine Tochter Jana in ihrer Wahlheimat Kuala Lumpur besucht habe, bin ich heute Morgen zeitig aufgebrochen, um nicht in der Mittagshitze Rad fahren zu müssen. Leider hatte ich schon den ersten Platten, bevor ich richtig unterwegs war. Fast direkt vor der Haustür riss mit einem Knall der Vorderradschlauch am Ventil ab. Also weg damit und einen meiner zwei Ersatzschläuche eingebaut.

Den nächsten Platten hatte ich eine Stunde später bei einem chinesischen Fahrradmechaniker, der mir eine gebrochene Speiche ersetzt hatte. Egal! Hinterrad ausgebaut, nächsten Ersatzschlauch rein. Der Fahrradhändler hatte leider keinen passenden Schlauch auf Lager. In Malaysia gibt es hauptsächlich Kinderfahrräder und chinesische Arbeitsräder. Eventuell noch Rennräder oder Mountainbikes, jedenfalls keine „normalen“ Tourenräder.

Jetzt bin ich also ohne Ersatzschlauch unterwegs. Zwei Platten an einem Tag sind schließlich genug…

Es ist mittlerweile Nachmittag. Seit meinem verzögertem Start fahre ich die ganze Zeit bergauf. Ich muss über einen Passhöhe, die auf ca. 1200m Höhe liegt. Die Straße ist superschön. Eine einsame Urwaldstraße, die sich die Berge hochschlängelt. Seit ich die Stadt hinter mir gelassen habe, sind mir kaum Autos begegnet. Der eigentliche Verkehr fließt auf der neuen Autobahn, irgendwo weit unter mir.

Dafür sehe ich undurchdringlichen Regenwald und eine Menge Affen, die sich, sobald ich mich mit dem Fahrrad nähere, aufgeregt auf die Bäume flüchten.

Die Straße wird immer steiler, die Hitze immer unerträglicher. Der Schweiß fließt in Strömen. Meine zwischenzeitlich an einem Wasserfall aufgefüllten Flaschen sind schon lange wieder leer.

Inzwischen beginnt es zu dämmern, und aus der sich seit Stunden verdichtenden Bewölkung fängt es an zu regnen. Der Regen bietet eine willkommene Abkühlung. Nach einiger Zeit schüttet es wie aus Eimern. Das Wasser fließt mir sturzbachartig auf der Straße entgegen.

Als ich endlich die Passhöhe erreiche, ist es schon stockdunkel. Verfahren kann ich mich nicht. Aber mit meinem Fahrradlicht im strömenden Regen die Serpentinen der Dschungelstraße hinunter zu sausen, ist ziemlich gruselig.

Das Fahrverhalten ist in den Kurven reichlich schwammig. Liegt das am Wasser, welches die Straße runterspült oder habe ich etwa…? Ich wage nicht daran zu denken. Leider stimmt meine Vermutung. Plattfuß hinten!

Mehr geht nicht: Wolkenbruch. Finsternis. Dschungel. Kein Ersatzschlauch.

Jetzt nur nicht an den mich umgebenden Urwald und die vielen unbekannten Geräusche denken…

Beim Auspacken meiner Stirnlampe ist die Packtasche samt Inhalt in Sekunden klitschnass. Ich baue das Hinterrad aus, reiße den Mantel und den Schlauch von der Felge. Aufpumpen. Loch finden. Wer schon mal versucht hat unter der Dusche stehend einen Schlauch zu flicken, weiß jetzt was mein Problem ist. Ich baue meine verbliebene trockene Pachtasche von Fahrrad ab, leere sie bis auf ein Handtuch mitten auf der Straße aus und baue mir so eine Art Reparaturzelt. Irgendwie schaffe ich es den Schlauch zu trocknen, anzurauen und den Flicken aufzukleben. Der Rest ist einfach: Fahrrad zusammenbauen. Klamotten einsammeln und auswringen. Rauf aufs Rad und weiter. Hoffentlich hält meine Unterwasserreparatur…

Sie hält. Bis zur nächsten Ortschaft. Bis zum rettenden Hotel. Und sogar den ganzen Rest meiner Reise!

Bis auf die drei Platten am ersten Tag bin ich von weiteren Pannen weitgehend verschont geblieben. Wie geplant erreiche ich Mitte Oktober 2010 mein Ziel: Phuket in Thailand.

Pitt Schmidt

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