Der Unfall
Der Unfall ereignete sich in etwa so: Nach den ersten 30 Kilometern fuhren wir auf einer breiten ungefährlichen Verkehrsstraße Richtung Norden. Es war nicht gefährlich und wir fuhren nicht mal schnell. Irgendein Hindernis muss im Weg gelegen haben, woraufhin jemand ruckartig ausgeichen sein muss, mein Vordermann bremmste ruckartig ab, ich konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, fuhr auf das Rad auf, verlor mein Gleichgewicht und stürzte zuerst auf das Knie, dann auf die Schulter.
Nach dem Sturz lag ich am Straßenrand und wollte mich nicht mehr bewegen, lag ziemlich benommen auf dem Boden. Unser Tour – Guide Reinhold hat sofort einen Rettungsdienst gerufen, der für meine Begriffe recht schnell vor Ort war. Nach der Einlieferung in die Clinica Juaneda direkt in Palma war ein eder ersten Fragen: Wie bin ich versichert ? Gott sei Dank bin ich Gold – Mitglied im A.D.A.C., diese Mitgliedschaft beinhaltet eine Auslandskrankenversicherung.
Ich wurde zum Röntgen gefahren und dann kam für mich der Schock: Das Knie war kompliziert gebrochen ( Tibiakopffraktur, Mehrfachbruch), die Schulter ebenfalls. Ich kam zur Beruhigung erst einmal in ein Einzelzimmer. Die Verständigung im Krankenhaus lief gut, viele sprachen deutsch oder englisch und ein paar spanische Brocken konnte ich auch sprechen.
Die erste Operation
Ich wurde Dienstag morgen das erste Mal operiert. Nach über 6 Stunden mit lokaler Betäubung (Spinalanästhäsie) war alles vorbei. Die Zeit während der Opration bekam ich ein Beruhigungsmittel, habe viel geschlafen. Jedoch hörte ich im Hintergrund häufig ein Lautes Bohren, irgendwie musste das mit dem Knie zusammenhängen. Vom Anblick der Operation an sich war ich durch ein Tuch getrennt. Am nächsten Morgen wurden Röntgenbilder gemacht und ich wusste jetzt warum, so lange gebohrt wurde:


Das Knie als auch die Schulter waren kaputt, dadurch war ich sehr unbeweglich, sehr hilflos und ans Bett gefesselt. Ich war fast eine Woche in der Klinik, meine Versicherung hat im Laufe der Woche, nachdem ich transportfähig war, den Rückflug organisiert. Meine Freunde und das Team von Philipp haben mir sehr geholfen in dieser Zeit. Nicht zu vergessen der Blutzucker: Hoch war er diese Woche, ich habe z.T. 40% mehr Insulin gespritzt, trotzdem war von Normalität.
Der Rückflug – Wie bekommt man einen Passagier liegend in ein Linienflugzeug ?
Diesen Rückflug werde ich mein Leben lang in Erinnerung behalten. Montag Mittag wurde ich von spanischen Rettungskräften abgeholt und zum Flughafen gebracht. Leider haben sie einmal eine Bodenwelle am Flughafen übersehen, durch die ich ziemlich durchgeschüttelt wurde und vor Schmerzen schrie. Gleich am Flughafen begrüßte mich ein Begleitarzt, der mich nach Hamburg begleitete. Begleitärzte holen weltweit verunfallte Deutsche zurück in ihre Heimat. Gleich nach der Begrüßung sah er sich die Röntgenbilder an und stellte fest: Man hatte sich zwar bemüht, aber es reichte nicht für den vollständigen Einsatz des Knies. Ich war das zweite Mal geschockt: Alles umsonst ?
Ich hatte als Krankenhaus das A.K. St. Georg gewählt, Dr. Lüdemann sagte dazu, das es nicht die schlechteste Adresse in Hamburg für Knochenrekonstruktionen wäre, wobei sich die Ärzte da was einfallen lassen müssten. Alles ging sehr schnelle danach, ich hatte gar keine zeit, alles zu verarbeiten. Als nächstes wurde ich zum Flugzeug gefahren und mit einem Hydrauliktransporter im hinteren Teil des Flugzeuges abgesetzt. Mein Arzt bestand darauf, das ich liegend auf einer Trage in das Flugzeug gehoben werde, aus Platzgründen war das aber nicht möglich. Der anwesende Kapitän des Flugzeuges machte auf mich den Eindruck, als wenn er der Situation ein wenig hilflos gegenüberstände. Schließlich wurde ich in ein Rollstuhl hingebracht, wobei mein Knie soweit , wir möglich gebeugt wurde, was eigentlich nicht sein sollte. Irgendwann lag ich auf den 4 hintersten umgeklappten Sitzen des Air Berlin Fliegers , wurde angeschnallt und wir starteten Richtung Hamburg. Nach zweieinhalb Stunden landeten wir in Hamburg und alles ging von vorne los: Diesmal konnte ich allerdings liegend aus denm Flugzeug transportiert werden, weil der Hubwagen an der richtigen Seite stand und man die Toilette im Flugzeug sehr zügig auseinandernehmen konnte. Ein Rettungswagen stand startbereit neben dem Flugzeug, der mich ins A.K. St. Georg transportierte. Hier wartete schon sehnsüchtig und in voller Sorge meine Frau auf mich. Nach dem Röntgen kam ich erst einmal in ein Krankenbettzimmer.
Die zweite Operation
Am folgenden Tag wurde noch eine Computertomographieaufnahme gemacht und das, was mir Dr. Lüdemann auf dem Rückweg sagte, bestätigte sich hier noch einmal: Das Knie musste noch einmal operiert werden, damit es wieder vollständig einsatzfähig war. Das legt man hier in Deutschland / Hamburg anscheinend mehr Wert drauf, als in Spanien. Das A.K. St. Georg ist ein Unfallkrankenhaus, man ist hier auf komplizierte Brüche spezialisiert.
Am Donnerstag morgen war es dann soweit: Ich kam um 9 Uhr ins OP und war um kurz nach halb neun abend wieder im Zimmer, also 12 Stunden Operationszeit ! Die zweite Operation bedeutete auch: Alle Schrauben und Platten aus Spanien wieder raus und alles noch einmal neu genäht und gebohrt. Ich brauchte auch erst einmal bis zum Wochenende, um mich eingermassen davon zu erholen. Die ersten Tage musste ich fast völlig ruhig liegen, durfte mein Knie nicht bewegen, weil alles noch sehr wacklig war und einige zeit brauchte, um sich zu festigen. Im Laufe der folgenden Woche bekam ich eine Schiene ans Knie angelegt und konnte ganz langsam mit der Krankengymnastik beginnen.

In der folgenden Woche bekam ich dann einen Rollstuhl, damit ich mich einigermassen fortbewegen konnte. Nicht zu vergessen: Meine Schulter war ja auch noch gebrochen. Mein Blutzucker war in der ersten Woche nach Einlieferung hoch, die gleiche Situation wie in Spanien nach der Operation, jedoch normalisierte sich alles wieder, nachdem ich mich wieder ein bißchen selbst bewegen konnte.
Die Entlassung
Nach über 3 Wochen im Krankenhaus wurde ich entlassen. Klar war noch nicht ganz, wie der Rollstuhl bei uns zu Hause durch die Türen passt. Er passt – wenn man entsprechend langsam fährt. Langsamkeit, Zeit ist jetzt das was notwendig ist, damit alles verheilen kann. Ich kann 3 Monate lang mit dem rechten Bein nicht auftreten, dann ist es Mitte Juni. Danach muss ich das Laufen wieder lernen, was auch nicht so einfach sein wird, da sich die Muskeln im Körper sehr schnell zurückbilden, wenn man sie nicht bewegt.
Es grüßt euch,
Arndt